Vogelstimmen, Rhein-Main-Link und Maibacher Brauerei



Die etwas andere Vogelstimmenwanderung des BUND Butzbach

Rund 15 Teilnehmer – überwiegend Aktive des BUND Butzbach – erwanderten am vorvergangenen Sonntag die geplante Trasse des Rhein-Main-Links im Bereich der beiden Butzbacher Taunusdörfer Münster und Maibach. Landschaftsökologe Matthias Gall konnte – trotz anfangs regnerischen und kalten Wetters – einige typische Vogelarten der vielgestaltigen Landschaft zwischen Taunus und Wetterau vorstellen.

Erster Höhepunkt war der besetzte Horst eines Rotmilans. Die Art brütet oberhalb von Münster nur wenige Meter von der geplanten Trasse des Rhein-Main-Links. Schon in wenigen Jahren soll hier die gewaltige Stromtrasse in Erdkabeln mitten durch die Mittelgebirgslandschaft verlaufen. Einigkeit bestand darüber, dass die Stromtrassen – auch wegen des stockenden Ausbaus der erneuerbaren Energien in Süddeutschland – für die Energiewende unentbehrlich seien. Scharf kritisierte Gall aber, dass bewährte Planungsprozesse für diese Trassen außer Kraft gesetzt würden. Dies führe zwangsläufig zu unnötigen Schäden in der Landschaft, der Tierwelt und letztlich auch für die betroffene Bevölkerung sowie die Land- und Forstwirtschaft.

Die Auffassung, wonach Natur- und Landschaftsschutz dringend benötigte Infrastrukturmaßnahmen verzögere, sei falsch. Vielmehr würden sich Planungsverfahren gerade durch ungenügende Planungen, mangelhafte Entscheidungsprozesse und schier endlose Klageverfahren ausdehnen. Dass man nun im Hau-Ruck-Verfahren, so Gall weiter, mit einer in der Bauphase meist mindestens 65 Meter breiten Trasse durch die sensible Landschaft des Hintertaunus pflüge, lasse einen eklatanten Mangel an Respekt vor den hier lebenden Menschen, Tieren und der gewachsenen Kulturlandschaft erkennen.

Weiter führte die Tour zum im Wald gelegenen Forbachtal. Im Querungsbereich der Trasse lebe hier eine inzwischen immer seltenere Schmetterlingsart, der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling. Sein lokales Vorkommen werde durch die Bauarbeiten voraussichtlich ausgelöscht. Im offenen Umland von Maibach konnten sich die Wanderer bereits ein Bild machen von den bevorstehenden Arbeiten. Hier hatten zuletzt bereits im großen Stil Bodensondierungen und Grundwasseruntersuchungen begonnen, was sich in Bohrlöchern und mit Stahlplatten ausgelegten Zufahrten in Äckern und auf Wiesen zeigte. In der halboffenen Landschaft konnten typische Arten wie Feldlerche, Goldammer, Dorn- und Klappergrasmücke sowie Stieglitz und Grünfink gehört werden.

Zum Ende der Wanderung nach Maibach erreichte man die besonders eindrucksvollen, steilen und zum Teil felsigen Hanglagen am Michelbachtal. Hier quert die Trasse einen alt- und totholzreichen Mischwald, der ebenfalls in einer Breite von mindestens 50 m weichen muss. Die Forstwirtschaft nutzt diesen Bestand seit Jahren nur extensiv. Auch hier zog ein Paar des Rotmilans seine Kreise. Der Uhu brütet in der Nähe. Zahlreiche anspruchsvolle Singvögel brüten hier. Zu hören waren unter anderem Waldlaubsänger, Fitis, Hohltaube, Waldbaumläufer oder Tannen- und Haubenmeise.

So allmählich meldete sich nach gut 4 km Strecke der Hunger. Wie gut, dass man sich in der neuen Maibacher Brauerei für einen herzhaften Vesperteller und ein süffiges Holzbier angemeldet hatte. Da inzwischen auch die Sonne herausgekommen war, ließ man sich auf den Bänken im Freien nieder, um sich die Geschichte der Maibacher Brauerei aus dem Munde eines der Geschäftsführer, Herrn Dreyer, erklären zu lassen. Auf handwerkliche Weise werde hier aus Biomalzen und Bio-Aromahopfen ungefiltertes Bier gebraut. Nach zweijähriger Umbauphase könne man nun eine neue, leistungsfähigere Anlage nutzen. Der Genuss der leckeren Speisen und Biere ließ die Stimmung weiter steigen, so dass man sich gut gelaunt, aber auch nachdenklich ob der anstehenden Veränderungen in der schönen Landschaft, auf den Rückweg begeben konnte.